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Von Stephan Crecelius und Matthias Laux

WIESBADEN - In den Trainingseinheiten beim TTC Rot-Weiß Biebrich kann es komplett unterschiedlich aussehen. An manchen Tagen stehen teils 25 Kinder in der Halle. Junge Tischtennisanfänger, die ihre Freude am Spiel gerade erst entdecken. Doch es gibt auch andere Tage. An denen in kleinen Gruppen von maximal zehn Leuten mit zwei Trainern gespielt wird. Der Leistungsgedanke im Vordergrund steht – und Talente geschmiedet werden. „Ich denke, ein Verein muss beides bedienen“, sagt Marc Köhler, 1. Vorsitzender beim TTC. „Aus der Breite entsteht die Spitze.“

Und auch die steht bei den Biebrichern im Vordergrund. Im September wurde der Verein sogar mit dem „Grünen Band“ ausgezeichnet. Eine, wenn nicht die bedeutendste Auszeichnung in Deutschland für Nachwuchsförderung im Leistungssportbereich – die mit 5000 Euro dotiert ist. „Mehr geht eigentlich nicht“, sagte Köhler. Zudem wurde den Biebrichern zuletzt die Ausrichtung der nationalen Deutschen Jugendmeisterschaft 2019 übertragen. Auch die Ausrichtung eines Länderspiels war mal ein Thema. Dafür hätte der TTC aber mit mehreren tausend Euro in Vorkasse treten müssen. „Das“, sagt der 40-jährige Köhler, „war uns zu riskant.“

Es sind Erfolge, die trotz einer schwierigen Hallensituation erreicht wurden. Denn mit den Bedingungen in der Sporthalle der Otto-Stückrath-Schule sind die Biebricher nicht zufrieden. Zum einen sei die Halle zu klein, sagt Köhler. Noch schwerer dürfte aber der marode Zustand wiegen. „Es kommt schon vor, dass zum Beispiel unsere Oberliga-Gegner in die Halle kommen und sagen: ,Was ist denn das?‘“, berichtet Köhler. Vor allem im Werben um Neuzugänge seien die Bedingungen ein echter Nachteil: „Es ist schon vorgekommen, dass Spieler aufgrund der Halle nicht zu uns gewechselt sind. Die Situation ist ein Problem.“

Nur einen – fast schon zynischen – Vorteil hat die Halle: „Aufgrund der Bedingungen sind nach und nach die Vereine rausgegangen. Nur wir sind übrig geblieben“, sagte Köhler. „Wir können von daher jeden Tag in der Halle trainieren.“ Dennoch würde sich Köhler für die über 60 Jugendlichen im Verein bessere Bedingungen wünschen. Einmal pro Woche findet momentan zudem ein Training in der Sporthalle der Freiherr-vom-Stein-Schule statt. „Wir hätten gerne noch einen zweiten Tag.“ Trotz der schwierigen Hallensituation: Eigene Talente haben die Biebricher einige produziert. Erst im vergangenen Jahr holten die Schülerinnen um Franziska Bohn den vierten Platz bei den deutschen Meisterschaften. Im Mai wurden die Mädchen mit der Wiesbadener Dilthey-Schule Deutscher Schulmeister. Lohn war die Qualifikation für die Weltmeisterschaften auf Malta im April – alle Spielerinnen schlagen beim TTC Rot-Weiß Biebrich auf.

Mit zwölf Jahren erste Einsätze im Herrenbereich

Im Herrenbereich ist der 17-jährige Niels Felder fester Bestandteil der Biebricher Oberligamannschaft. Bekam bereits vor fünf Jahren – also mit zwölf – in der ersten Herrenmannschaft seine Einsätze. „Das ist natürlich die Ausnahme“, sagt Köhler. Die aber zeigt, dass die Durchlässigkeit bei den Biebrichern von Jugend- in den Herrenbereich vorhanden ist. Allerdings müssen die Herren und Damen auch in entsprechend hohen Klassen spielen. „Sonst“, weiß Köhler, „verliert man die Jugendlichen.“ Unter der Woche würden die Besten ohnehin in Frankfurt trainieren. „Dann funktioniert es nur über die Klasse.“

Dass die Hallensituation nicht optimal ist, das unterstreicht indes auch Felder. „Ich trainiere zwar unter der Woche eigentlich nur im Internat“, so der 17-Jährige, „aber an den Wochenenden, da geht man in der Otto-Stückrath-Schule jetzt nicht wirklich gerne duschen.“ Hinzu komme: „Wir haben da immer ein Problem mit dem Lichteinfall. Da kann es schon sein, dass an einem Tisch plötzlich gar nichts mehr geht, weil die Sonne so reinstrahlt.“

Nachwuchskräfte binden die Biebricher daher vor allem über hohe Ligen. Und bilden auch ausgewählte Jugendliche zu Trainern aus. Der Verein übernimmt dabei die Kosten in Höhe von ungefähr 400 Euro. „Unsere meisten Trainer kommen aus dem eigenen Verein“, sagt Köhler, der selbst seit über 30 Jahren bei den Biebrichern aktiv ist. Und in dieser Zeit von Anfänger bis Leistungssportler wohl schon alles trainiert hat.

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