Bildungsspender

WIESBADEN - Die Lehrbücher für modernes Tischtennis empfehlen die Vorhandtechnik. Soweit die Theorie. Doch Timo Nguyen spielt anders. Der Zehnjährige besitzt eine starke Rückhand, nutzt diese bevorzugt und hervorragend in seinem Spiel. „Sie ist bei ihm sehr stabil und für sein Alter weit entwickelt. Das ist eher ungewöhnlich“, berichtet Timos Trainer beim TTC Rot-Weiß 1921 Biebrich, Marc Köhler. Der aktuelle Bundestrainer Jörg Roßkopf sei damit auch Nationalspieler geworden, fügt Köhler noch an.Soweit ist es bei Timo noch lange nicht. Aber der Fünftklässler ist ein großes Talent. Köhler traut ihm viel zu. Gerade in den vergangenen Monaten hat der Junge mit deutschen und vietnamesischen Wurzeln einen großen Leistungssprung gemacht. „Er ist gerade auf dem Weg nach oben, er wird kommen“, sagt Köhler. Der hessische Landestrainer hat bereits ein Auge auf Timo geworfen, ihn zum Kader-Training eingeladen. Denn regelmäßig beweist der C-Schüler in der A-Schülerklasse bei den 12- bis 15-Jährigen, was in ihm steckt. Obwohl um einige Jahre jünger und körperlich unterlegen, hält der Zehnjährige dank seiner Technik und Geschwindigkeit mit. Bei den Bezirksmeisterschaften schaffte er gerade den dritten Platz. In drei Wochen will Timo bei den hessischen Titelkämpfen nachlegen. Mit Begeisterung geht er dreimal in der Woche zum Training. „Ich liebe es. Man kann scharf schlagen und auch mit Unterschnitt. Und es ist schön, dass man immer besser und nie schlechter wird. Am schönsten ist es nach einem Sieg“, erzählt er. Durch eine Schul-AG in der Grundschule kam Timo zum schnellen Sport mit dem kleinen Ball. „Ich bin einfach mal hingegangen. Der Trainer hat mich dann gefragt, ob ich nicht zum Verein kommen will. Das habe ich gemacht“, erinnert sich Timo zurück.

Dort habe es ihm dann so gut gefallen, dass er blieb. In der nur wenige Minuten von seinem Wohnort entfernten Trainingshalle des TTC RW hat der Gymnasiast seither viel gelernt und sich stetig weiterentwickelt. Die Schlagvarianten wie Topspin, Sidespin, Schupfball, Flip, Schmetterball und Ballonabwehr beherrscht er mittlerweile gut bis sehr gut. „Dabei ist meine Rückhand aber besser als die Vorhand. Und ich kann den Kopf-über-Aufschlag sowie den Site-unter-Aufschlag gut“, erzählt der Pfiffikus. Zu seinen Stärken zählt auch seine Schnelligkeit.

Köhler bescheinigt seinem Schützling zudem eine sehr gute Übersicht, auch wenn er noch besser antizipieren müsste. Reserven liegen hingegen noch im Aufschlagspiel. Da mache er zu wenig Punkte und könnte noch mehr rausholen. „Timo macht viele spektakuläre Punkte und nur wenig leichte“, sagt Köhler. Er arbeitet unheimlich gern mit dem aufgeweckten Jungen. Timo sei im Training hoch konzentriert. „Viel besser kann man es nicht machen“, berichtet der Coach, der das Talent als ganz tolles Kind beschreibt: „Aus dem wird mal was im Leben.“ Steht der Junge nicht an der Platte, geht er gern raus, trifft sich mit Freunden oder spielt Play-Station. Seit Kurzem hat er ein weiteres Hobby entdeckt: Gitarre spielen. Das Feingefühl in den Händen dafür hat Timo ja schon.

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